Anfang August mussten wir Abschied nehmen von Christl Weber. Christl war bereits als junges Mädchen Mitglied der Pfadfinderinnengruppe in der Residenz. So war es naheliegend, dass später auch ihre Töchter Pfadfinderinnen wurden. Dadurch kam auch Christl in Kontakt mit der Pfadfindergruppe Maxglan, und es war nur eine Frage der Zeit, bis man sie 1985 als Pfadfinderleiterin engagierte. Vier Jahre später übernahm sie als Nachfolgerin von Irmgard Müller die Gruppenführung und leitete mit Josef Reischl eine der größten Pfadfindergruppen Österreichs.
Das war auch die Zeit des großen Umbruchs im Osten Europas. Uns allen sind noch die Bilder aus den Medien von Kindern in desolaten Heimen in Erinnerung. Für Christl und ihren Mann Michl war das Ansporn, etwas zum Besseren zu wenden. Mit den Pfadfinderinnen begann Christl Hilfsgüter zu sammlen. Jahrelang wurden gemeinsam mit den Pfadfindern und Freunden Hilfstransporte organisiert, wobei hunderte Tonnen von Hilfsgütern nach Siebenbürgen transportiert worden sind. 1990 wurde von den Maxglaner Rovern eines der desolaten Kinderheime saniert. Christl war immer die bescheidene Kraft, die im Hintergrund alles organisiert hat.
Höhepunkt war dann in den 90er-Jahren das Projekt „Haus der Hoffnung“ in Bistritz. Finanziert durch Geld- und Sachspenden und großteils in Eigenleistung wurde im Zentrum von Bistritz ein Haus mit vier Bestimmungen errichtet. Zum Einen wurden Garconnieren für Waisenmädchen geschaffen, um ihnen den Start ins Erwachsenenleben zu ermöglichen. Weiters beherbergte das Haus einen Friseur-Salon, in dem die Mädchen Arbeit finden konnten. Ein Sozialkantine versorgte sozial benachteiligte Menschen mit warmem Essen. Und schließlich fanden die neu gegründeten Pfadfinder im „Haus der Hoffnung“ ihre Heimstätte.
Auch hier war Christl bei allen Arbeitseinsätzen dabei und führte über das Bauvorhaben akribisch Buch. Sie kümmerte sich mit Michl ebenso um die nicht immer einfachen Behördenwege. Vor allem hat sie auch als Rumänisch-Dolmetscherin fungiert und für uns Briefe von rumänisch auf deutsch oder umgekehrt übersetzt. Trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse hat Christl nie die Geduld verloren und sie hat mit ihrer ruhigen Art viele kritische Situationen gemeistert. Ohne ihren Einsatz gemeinsam mit Michl wäre dieses riesige Projekt nicht denkbar gewesen.
Abseits der Pfadfinder war vor allem ihre Gastfreundschaft legendär. Ihr Haus stand immer offen und jeder war auch ohne Vorankündigung jederzeit herzlich willkommen. Nun ist der zuletzt sehr beschwerliche irdische Lebensweg von Christl zu Ende gegangen. Unsere aufrichtige Anteilnahme ihrem Gatten Michl und ihren Töchtern.
Christl hat in ihrem Leben verwirklicht, was uns der Gründer der Pfadfinder Lord Robert Baden Powell als Auftrag mitgegeben hat: „Versucht die Welt ein wenig besser zu verlassen, als ihr sie vorgefunden habt.“
Christl hat ihre Aufgabe erfüllt.
Fritz

