Pfadfinder-Gilde Salzburg 6 Maxglan

Vortrag von Dr. Johannes Hahn

Mit Dr. Johannes Hahn konnten wir einen ganz besonderen Redner zum Juli-Gildenabend im Emmaussaal des Pfarrzentrums Maxglan gewinnen. Sein Lebenslauf spricht für sich, mit seinem spannenden Vortrag als überzeugter Europäer hat er uns sowohl den Fortschritt der Europäischen Union in Erinnerung gerufen, als auch die Herausforderungen für die Zukunft dargelegt.

Anfangs war es das Ziel der Vorgängerorganisationen, weitere Kriege zu verhindern. Seither hat sich die Union unglaublich entwickelt, weshalb wir uns nach Meinung von Dr. Hahn mehr Selbstbewußtsein gestatten sollten. Die EU steht mittlerweile für unsere besondere Lebensweise, für Rechtsstaatlichkeit und für liberale Demokratie. Durch gemeinsame Anstrengung und Finanzierung sind europäische Kooperationen auf vielen Gebieten entstanden. Trotz der gängigen Vorstellung von langsamen Entscheidungswegen aufgrund endloser Diskussionen ist die Union gerade in Krisenzeiten – sei es die Covid-Epidemie oder der Ukrainekrieg – in der Lage, entsprechend zu reagieren.

Dazu gehört, dass seit etwa 10 Jahren die bisher geltende Weltordnung unter Druck geraten ist und China, Russland und USA wieder das Recht des Stärkeren geltend machen. Derzeit muss die EU mehrere Krisen gleichzeitig bewältigen, denn unsere bisherigen Komfortzonen der billigen Energie aus Russland + Sicherheit durch die USA + billiger Technologie aus Fernost sind nicht mehr gegeben. Für Dr. Hahn ist das jedoch ein “halbvolles Glas” und der Weckruf, uns auf eigene Beine zu stellen.

Er sieht folgende Potentiale:

a) Bei erneuerbarer Energie, Energieeffiziez und Kreislaufwirtschaft sind wir relativ gut unterwegs.

b) Militärisch muss die EU unabhängig werden (und in Österreich muss die Neutralität wenigstens hinterfragbar sein).

c) Mit unseren Handelsabkommen erreichen wir eine internationale Verflechtung. Hier sagt Dr. Hahn “Danke” an Präsident Trump: obwohl die EU als langsam, kompliziert und bürokratisch erscheint, wird sie gleichzeitig als verlässlicher Partner wahrgenommen, der die gängigen Spielregeln akzeptiert. Die Verwendung des Euro als internationale Vertragswährung stärkt die Liquidität und das politische Ansehen der Währung. Trotzdem sind Pragmatismus und Sensibilität beim Einfordern der europäischen Werte gegenüber Dritten notwendig, in jedem Fall gilt: Man muss reden!

Alte und neue Wege

Die Europäische Union ist gut aufgestellt, auch wenn ihr Potential noch nicht ausgeschöpft ist. Hier nennt Dr. Hahn die Vollendung des Binnenmarktes am Beispiel von Kraftfahrzeugen, wo unterschiedliche Vorschriften (Pickerl!) und hohe Kosten den Verkauf zwischen den EU-Staaten erschweren. Weiters funktionieren die Entscheidungsmechanismen der EU nicht mehr wie gewohnt, weshalb neue Wege beschritten werden müssen.

Nach seinen umfangreichen Eingangsbemerkungen beantwortete Dr. Hahn noch Fragen aus dem Publikum, die er mit persönlichen Erlebnissen untermauerte. So auch seine Antwort auf die Frage eines jugendlichen Besuchers “Warum soll ich überhaupt wählen?”, dass jede Stimme zählt (und sogar entscheidend sein kann, wie er am Beispiel von bestimmten knappen Wahlergebnissen zeigen konnte) und dass man mit persönlichem Engagement Veränderungen herbeiführen kann (als er seinerzeit mit der Jungen ÖVP den EU-Beitritt angedacht hat).

Wir, als Gilde, freuten uns über das große Publikumsinteresse am Vortrag, obwohl das WM-Schicksalsmatch der Österreicher an diesem Abend angestanden hat.