Wie wir bei einer Stadtwanderung zu alteingesessenen Familienunternehmen und traditionellen Handwerksbetrieben in der Salzburger Altstadt feststellen konnten, eint sie alle nicht nur der Wille, immer einen Weg zum Fortbestand gefunden zu haben, sondern auch die Bekanntschaft mit dem Denkmalamt. Denn hinter dem barocken Antlitz der Stadt versteckt sich mittelalterliche Bausubstanz. Die nachstehenden Jahreszahlen verweisen jeweils auf das Baujahr des Gebäudes, in dem wir zu Besuch waren.
1422
Die Lederergasse gibt den Namen vor: hier gingen die Lederer und Gerber ihrem Gewerbe nach. Noch heute, immerhin in der 7. Generation, betreibt dort die Familie Schliesselberger ein Fachgeschäft für Lederwaren. Die großelterliche Wohnung im Obergeschoß ist inzwischen Teil des Betriebes. Eingehüllt von Ledergeruch gehen wir durch Küche, Wohnzimmer und auch durch einen besonderen Raum, dem heute so genannten Freskenzimmer. Sie stammen aus dem Jahr 1550 und verzieren das Deckengewölbe der einstigen Zunftstube und Kapelle. Nebenan, zwischen Regalen voll mit Schuhsohlen, steht die Zunfttruhe von 1668. Besonders wichtig für uns: Schliesselberger ist DER Salzburger Lieferant des Lederriemens für den Pfadfinderknoten. Abgesehen davon sind der heiße Tipp Schuhbänder in allen Längen, Stärken, Farben, ….
1550
Messermacher, nicht Schmied, nennt sich der Betrieb von Richard Kappeller im Aula-Durchhaus in der Getreidegasse, der sich dem traditionellen Gewerbe der Messerfertigung widmet. Im Schauraum erfahren wir von Damaststahl, Hirschhorngriffen, warum Messer NIE in den Geschirrspüler dürfen und über die recht simplen Vorschriften zum Messertragen in Österreich. Ein Stockwerk höher, hinter einer dreifach gesicherten Tür, vereint sich das Messermachen mit der Goldschmiedekunst. Auch hier, aber noch hinter neuzeitlichem Putz verborgen, weiß man von einem mittelalterlichen Fresko, vermutlich ein Panorama. In der Werkstatt entstehen prunkvolle Einzelstücke mit exquisiten Werkstoffen, seien es Fossilien, Edelsteine oder Diamanten. Heißer Tipp: ein Unikat zum Preis eines Mittelklassewagens
1407
Als Branntweinschenke seit 1905 am Standort Getreidegasse, werkt mittlerweile die 4. Generation in der Spörer Likör & Punschmanufaktur. Eingezwängt zwischen einem Hirsch (gold) und einer Gans (blau) ist das Lokal mit 35 Quadratmeter doch recht klein, weshalb die Produktion, einschließlich der Familienerfindungen Orangenpunsch und Kräuterlikör, mittlerweile nach Maxglan ausgelagert ist. Der Charme des Ausschanks aber bleibt bestehen und wird auch von uns als Zwischenstopp genutzt: Eine Hausmischung, bitte!
1286
Ein paar Schritte weiter auf der anderen Straßenseite fertigt die Familie Kirchtag seit 1903 Regenschirme. Die zeitliche Verbindung legt nahe, dass sich die Gründerväter Sporer und Kirchtag gekannt haben und – so die selbst erfundene Legende – bei Regen und Likörgenuss ihre jeweiligen Geschäftsideen entwickelt haben. Hoch oben, unter einem traditionellen Grabendach, finden wir Werkstatt und Lager, wo die klassischen Stockschirme angefertigt werden. Das besondere Knowhow von Kirchtag findet sich in den europaweiten Zulieferbetrieben für die verschiedenen Holzarten (Vorlaufzeit bis 2 Jahre!), Gestänge, mechanischen Teile und speziellen Stoffe, aus denen die Schirme in Handarbeit – gerne auch nach Kundenwunsch – entstehen. Nicht zuletzt aufgrund des besonderen Zuschnittes sind Kirchtag-Schirme an ihrer Kuppelform erkennbar. Heißer Tipp: Sonderanfertigung mit Namensgravur am Schieber
Labestation
Schon 1294 stand an dieser Stelle am Universitätsplatz ein Haus, den Ritzerbogen gibt es seit 1623. Was dort seit Anfang des 20. Jahrhunderts das Zipfer Bierhaus war ist nun der Ritzer Wirt, die historische Einrichtung der Gaststube ist die gleiche geblieben. Kühler Tipp: ein Schnaitl im Krug
Wir bedanken uns herzlich bei Moritz Schliesselberger, Wolfgang Schaffler (Kappeller), Michael Sporer und Andreas Kirchtag für die Betriebsführungen. Eure Unternehmen machen unsere Altstadt zu einem besonderen Ort.




